Sozial · Thema 4 von 24

Gesundheit

Faire medizinische Versorgung.

Ein funktionierendes Gesundheitssystem ist Grundvoraussetzung für das Wohlergehen und die Stabilität unserer Gesellschaft. In den vergangenen Jahren wurde der Gesundheitsbereich jedoch zunehmend ökonomisiert und bürokratisiert. Hinzu kommt in Deutschland eine langjährige Zweiteilung zwischen öffentlicher und privat finanzierter Versorgung, die Versorgungsgerechtigkeit und Effizienz belastet. Viele kritische Analysen sprechen von einem System, das in Teilen altmodisch und reformbedürftig ist.

Die UDFE setzt auf ein Gesundheitssystem, das sich am Menschen orientiert: frei von übermäßigem Profitdenken, frei von politischer Instrumentalisierung medizinischer Forschung und Versorgung, stattdessen getragen von medizinischer Qualität, Fachlichkeit und Gemeinsinn. Gesundheit und Wohlstand müssen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Infektionsschutz und andere freiheitsbeschränkende Maßnahmen dürfen kein Selbstzweck sein; sie müssen verhältnismäßig sein, auf wissenschaftlichen Kriterien beruhen und rechtlich überprüfbar bleiben.

Zugleich halten wir es für sinnvoll, international erfolgreiche Elemente zu prüfen und adaptierbar zu machen, beispielsweise Erfahrungen aus den Niederlanden mit ihrer Reform hin zu regulierter Konkurrenz und einer stärkeren Rolle von Versicherern als Einkäufern, kombiniert mit starker Primärversorgung. Diese Elemente sind nicht 1:1 zu übernehmen, aber sie bieten Gestaltungsoptionen für eine moderne, effiziente und gerechte Versorgung.

Auf einen Blick

5 Leitprinzipien und 7 Forderungen im vollen Wortlaut. Wählen Sie eine Forderung, um direkt dorthin zu springen.

  1. Entökonomisierung der Krankenhausfinanzierung
  2. Reform der Krankenkassenarchitektur mit Anpassungsprüfung
  3. Infektionsschutz und Freiheitsrechte – Verhältnismäßigkeit und Prüfbarkeit
  4. Ausbildungsoffensive für Gesundheits- und Pflegeberufe
  5. Krankenhausstruktur der Zukunft – Spezialisierung und Grundversorgung
  6. Forschung mit Priorität auf Volkskrankheiten und Patientennutzen
  7. Priorität für echten Fortschritt – Vermeidung von Übermedicalisierung

Unsere Leitprinzipien

Gesundheit ist Daseinsvorsorge

Medizinische Versorgung ist ein Grundrecht und darf nicht primär Profitinteressen dienen.

Prävention vor Intervention

Gesundheitsförderung und Vorsorge reduzieren Krankheit und langfristige Kosten.

Regionale Versorgung sichern

Jede Bürgerin und jeder Bürger hat Anspruch auf wohnortnahe, erreichbare Basis- und Notfallversorgung.

Evidenz, Transparenz & Rechtsstaatlichkeit

Entscheidungen werden wissenschaftlich begründet, transparent kommuniziert und rechtlich überprüfbar gestaltet.

Gezielte Prioritätensetzung

Ressourcen konzentrieren wir auf nachweislich wirksame Maßnahmen (Primärversorgung, Prävention, Volkskrankheiten, Notfall- und Versorgungsinfrastruktur) und vermeiden Übermedicalisierung bzw. Überversorgung von trivialen Alltagsproblemen. Psychische Gesundheit wird ernst genommen; gleichzeitig verhindern wir die Pathologisierung normaler Lebensbelastungen.

Konkrete Forderungen und Maßnahmen

1 Entökonomisierung der Krankenhausfinanzierung

Krankenhäuser sind Daseinsvorsorgeeinrichtungen. Die reine Fallpauschalen-Logik (DRG-Falle) wird überprüft und ergänzt durch leistungs- und qualitätsorientierte Elemente sowie bedarfsorientierte Basisfinanzierung, damit Notfall- und Grundversorgung nicht den ökonomischen Fehlanreizen zum Opfer fallen. Ziel: Versorgungsauftrag vor kurzfristiger Gewinnmaximierung.

2 Reform der Krankenkassenarchitektur mit Anpassungsprüfung

Wir fordern transparente Beitragsstrukturen, geringere Verwaltungskosten und einen stärkeren Fokus auf Prävention (z. B. Ernährung, Bewegung, Suchtprävention) sowie Pflegequalität. Gleichzeitig prüfen wir, welche Elemente regulierter Konkurrenz (z. B. stärkere Rolle der Träger/Versicherer als Einkäufer) unter klarer Regulierung die Versorgungsqualität und Kostenstabilität verbessern können – angelehnt an evaluierte Erfahrungen aus den Niederlanden.

3 Infektionsschutz und Freiheitsrechte – Verhältnismäßigkeit und Prüfbarkeit

Freiheitsbeschränkende Maßnahmen müssen regelmäßig evaluiert, zeitlich befristet und rechtsstaatlich überprüfbar sein. Eine gesetzliche Evaluationspflicht erhöht Transparenz und Vertrauen. Entscheidungen sind an Evidenz und Verhältnismäßigkeit zu messen.

4 Ausbildungsoffensive für Gesundheits- und Pflegeberufe

Verpflichtende, geförderte Ausbildungs- und Umschulungsangebote für Arbeitssuchende in pflegerischen und gesundheitsnahen Berufen (mit Begleitung, Nachqualifikation und attraktiven Arbeitsbedingungen) sollen den Fachkräftebedarf langfristig decken. Parallel: bessere Arbeitsbedingungen, vergütete Ausbildungen und Anreize für Verbleib im Beruf. Prognosen belegen größeren Personalbedarf in Pflege und Primärversorgung; gezielte Nachwuchsprogramme sind zentral.

5 Krankenhausstruktur der Zukunft – Spezialisierung und Grundversorgung

Aufbau regionaler Kompetenzzentren für hochspezialisierte Leistungen bei gleichzeitiger Sicherung flächendeckender Basis- und Notfallversorgung (durch Versorgungszentren, telemedizinische Unterstützung und regional vernetzte Praxis- und Klinikstrukturen). So lässt sich Qualität und Erreichbarkeit zugleich verbessern.

6 Forschung mit Priorität auf Volkskrankheiten und Patientennutzen

Öffentliche Fördermittel werden vorrangig für Forschung vergeben, die messbaren Nutzen für die Bevölkerung bringt (z. B. Krebs, Herz-Kreislauf, Diabetes, Alzheimer). Politisch motivierte Förderlinien, die keine klaren volksgesundheitlichen Nutzen nachweisen, sind zurückzunehmen. Förderung soll wissenschaftlicher Exzellenz und praktischer Anwendbarkeit dienen.

7 Priorität für echten Fortschritt – Vermeidung von Übermedicalisierung

Wohlstand darf nicht zu einer Ausweitung medizinischer Diagnosen für normale Lebensprobleme führen (keine „Pathologisierung“ von Alltagsstress oder Altersfragen). Die Versorgung soll sich auf krankheitsrelevante, evidenzbasierte Bedürfnisse konzentrieren: schwerwiegende körperliche Erkrankungen, schwere psychische Störungen und präventive Programme erhalten Vorrang vor Diagnostik oder Therapien mit nur marginal belegtem Nutzen. Psychische Gesundheitsversorgung bleibt wichtig, wir stärken Nahversorgungs-Psychiatrie, Krisenintervention und niederschwellige Hilfe zugleich mit einer klaren Bewertungsorientierung.

Begründung und Quellen

Erfahrungen Niederlande: Die niederländische Reform (Health Insurance Act 2006) mit regulierter Konkurrenz, starker Rolle von Versicherern als Käufer und Schwerpunkt auf Primärversorgung liefert lernwürdige Einsichten zu Zugänglichkeit, Zufriedenheit und Kostensteuerung – sie ist kein „Copy-Paste“, aber ein wertvoller Prüfstein für Anpassungen in Deutschland.

Probleme der DRG-Finanzierung in Deutschland: Studien und Analysen zeigen, dass die reine Fallpauschalenlogik Fehlanreize setzen kann (z. B. Fokus auf lukrative Leistungen, Personalkürzungen), weshalb eine Ergänzung durch qualitäts- und bedarfsorientierte Finanzierungsbestandteile nötig ist.

Fachkräftesicherung: Prognosen und Monitoring-Berichte weisen auf erhebliche Bedarfe in Pflege und Primärversorgung hin; strukturierte Nachwuchs- und Weiterbildungsprogramme sind daher fiskalisch und sozial vorrangig.

Priorisierung & Vermeidung von Übermedicalisierung: WHO/OECD-Empfehlungen betonen die Bedeutung von Prävention, evidenzbasierter Versorgung und der Vermeidung unwirksamer medizinischer Interventionen, das schützt Haushalte, Kapazitäten und patientennahe Behandlungschancen.

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